Eine Pappe war nicht unbedingt ein Trabbi - Pappe nannte man auch die
“Staatliche Spielerlaubnis für Schallplattenunterhalter” (bzw. -für Musiker) !
Wie ich meine Pappe fast verspielte,lesen Sie hier !

Es war ein Jahr vor der Wende,an einem kalten,regnerischen Sonntag vormittag.
Ich hatte den Auftrag erhalten,für eine offizielle Kundgebung bzw.Kranzniederlegung zu Ehren der Opfer
des Faschismus,die Beschallung abzusichern.Kein Problem für mich,ich hatte das schon “hundertmal
gemacht.Aber diesmal sollte es besonders gut werden!Ich habe also nicht,wie eigentlich üblich,die alte,
verschlissene Verstärkeranlage meines Betriebes,sondern “meine”neue Disko-Verstärkeranlage
aufgebaut.Dann habe ich die Mikrofonanlage meines Betriebes an mein Mischpult angeschlossen.
Ein oder zwei Adapter und dann passte das.Es wurde auch Zeit denn die ersten zur Teilnahme verdonnerten
Mitbürger waren schon da und unterhielten sich lautstark.Halt - ich musste ja das Mikrofon noch testen!
Den Regler halb hochgeschoben,dann schnell durch den Nieselregen,dreimal mit dem Finger gegen das
Mikro geklopft,aha,es funktionierte.Das wär ja auch gelacht,wenn ich das nicht hinbekommen hätte!
Regler schnell wieder runter,warten auf unsere Kreis-Führungsriege.Dann kamen die Genossen,
es kehrte Ruhe ein auf dem Platz.Beginn mit Musik,”Unsterbliche Opfer”,ein Trauermarsch,
Kranzniederlegung,alles klappt gut.Jetzt schnell noch die Rede des 1.Sekretär’s der SED-Kreisleitung,
des Genossen Olaf D. Aber warum gestikulieren einige Leute der Kreisleitung hinten rum mit den Armen;
warum gucken die mich alle an;warum können sich einige vom Fussvolk ein Grinsen nicht verkneifen?
Das Mikro geht doch!

Die Antwort erhielt ich nach der Schlussmusik vom 1.Sekretär der Kreisleitung persönlich.
Es war schon was Besonderes,wenn man mit dem 1.Mann im Kreis sprechen durfte;unser Genosse D.hatte
übrigends im Volksmund den Spitznamen”der kleine Napoleon”!(wegen seiner Körpergrösse und seines
Führungsstils).Aber ich durfte ja nicht mit ihm sprechen,er sprach mit mir,daß heißt er fauchte.Schreien
konnte er nicht,es waren noch zu viele Gäste da.Und nach und nach verstand ich auch was passiert war.
Durch einen Fehler im Mikrofonkabel oder in den verwendeten Adaptern war die Abschirmung des Mikrokabels
unterbrochen.Das Mikrofon funktionierte trotzdem,sogar zusätzlich noch als Antenne für Mittelwelle.
Der Mikroverstärker fungierte als primitiver Radioempfänger.Man konnte jedoch keinen Sender einstellen,
der stärkste Sender war praktisch voreingestellt.Das Radio-Signal kam ganz leise aus den Boxen,
weit hinter bzw.neben den Boxen,wo ich stand,war es nicht zu hören.Aber wer im Abstrahlwinkel der
Lautsprecher stand,verstand angeblich jedes Wort.So war das,der stärkste Sender war natürlich der
“Deutschlandfunk”- “Hetzsender des Klassenfeindes” und die brachten gerade auch noch einen Kommentar
gegen die DDR-Führung ! Genosse D.entzog mir dann noch meine”Staatliche Spielerlaubniss für
Schallplattenunterhalter” und erklärte mir,daß ich mir keine Hoffnung auf eine Wiedererteilung machen
bräuchte.Alles weitere würde später geklärt.

Aber es ging noch weiter!Als ich die Mikrofonanlage zurück in meinen Betrieb brachte,kochte ich mir noch einen
Kaffee.Da standen plötzlich zwei Volkspolizisten in der Tür und baten mich,alles wieder einzupacken und ihnen
zu folgen.Wir fuhren auf den Hof des VPKA,(Volkspolizeikreisamt).Inzwischen regnete es nicht mehr!
Ich durfte die gesamte Beschallungsanlage ein zweites mal aufbauen.Ein Genosse der Kriminalpolizei,
später auch ein Genosse aus der Kreisdienststelle des MfS (Ministerium für Staatssicherheit) untersuchten
die Anlage.Wahrscheinlich lag das Kabel anders oder der defekte Kontakt war wieder geschlossen,jedenfalls
gelang es uns nicht,den Fehler zu reproduzieren!Diese beiden Genossen waren technisch bewandert und
kannten die technischen Zusammenhänge einer solchen Panne.Ich vermute,daß ich es ihrer Fürsprache
zu verdanken habe,daß nichts Schlimmeres für mich passierte.

Ich musste später noch Stellungnahmen schreiben,durfte auch noch mal zum Genossen D.,wo ich kräftig
Selbstkritik übte.Trotzdem,freundlich wurde Genosse D. zu mir erst wieder nach der Wende !
Meine “Pappe” bekam ich einige Wochen später wieder,das war für mich die Hauptsache.

Wer sich für die
DDR-Vergangenheit mit all ihren
Facetten interessiert,folge diesem Link !
Hier gibt es reichlich Informationen.